Bewegung -
muss das sein?
Sich regen bringt Segen". "Wer rastet der rostet". Sie kennen die alten Volksweisheiten. Und sie sind aktueller denn je, wenn man an unsere Lebensweise denkt. Wir sitzen in der Regel die meiste Zeit des Tages, benutzen Aufzüge und Rolltreppen und legen kürzeste Wege mit dem Auto zurück. Unser Organismus aber ist auf Bewegung ausgerichtet. Ein kräftiges Herz, das täglich etwa 80.000 mal schlägt und dabei vier bis fünf Liter Blut durch den Körper pumpt, ein Lungensystem, das mit seinen weit verzweigten Verästelungen der Größe eines Fußballfeldes entspricht, über 200 Muskeln, die unser Skelettsystem zusammenhalten und eine ungeheure Vielzahl von Bewegungen ermöglichen – all das zeigt, dass wir beste Voraussetzungen für Bewegung mitbringen. Aber wer bewegt sich schon ausreichend? Unsere Arbeitsbedingungen erfordern das einfach nicht mehr und in der Freizeit gibt es so viele andere Möglichkeiten. Dabei gibt es genügend gute Gründe, sich regelmäßig zu bewegen, Sport zu treiben und sich körperlich zu belasten. Unser Körper reagiert nämlich sehr ökonomisch. Werden die ganzen Leistungsreserven, die er bereithält, über längere Zeit nicht gebraucht, so bilden sie sich zurück. "Die Funktion erhält die Struktur", so nennen das die Mediziner. Vielleicht hatten Sie ja schon einmal einen Gipsverband. Dann werden Sie sich erinnern, wie schnell der Gips lockerer wurde, weil sich die Muskulatur wegen fehlender Beanspruchung zurückgebildet hat. Generell leisten Herz, Kreislauf, Atmung und Muskulatur auf Dauer nur soviel, wie von Ihnen verlangt wird. Je weniger das ist, um so mehr verlieren Sie an Funktionstüchtigkeit. Dieser Verlust beginnt ab Mitte des zweiten Lebensjahrzehnts und macht sich mitunter unangenehm bemerkbar. Vielleicht kennen Sie ja das eine oder andere Anzeichen. Kommen Sie zu schnell außer Atem? Als Kind konnten Sie stundenlang Ball spielen, hüpfen oder klettern, später haben Sie mit Begeisterung lange Zeit Tennis gespielt und noch vor wenigen Jahren waren stundenlange Wanderungen für Sie kein Thema. Heute vermeiden Sie lieber solche Situationen, weil Sie wissen, dass Ihnen ganz schnell die Puste ausgeht. Also riskieren Sie es lieber nicht, denn wer will sich schon gern blamieren. Und sei es nur vor sich selbst. Die Beispiele zeigen, dass Ihr Körper schon bei geringen Beanspruchungen nicht mehr genug Sauerstoff erhält. Nicht nur, dass Ihnen dadurch ein Stück Lebensfreude verloren gebt, es ist auch ungesund. Sie zwingen Ihren Organismus dazu, dauernd sehr unökonomisch zu arbeiten. Das stellt eine hohe Belastung für Herz und Kreislauf dar. Regelmäßige Bewegung führt dazu, dass Ihrem Körper wieder mehr Sauerstoff zugeführt wird, die Muskeln diesen Sauerstoff besser nutzen können und Ihr Herz, das ja auch ein Muskel ist, kräftiger und effektiver arbeiten kann. Können Sie sich nicht mehr länger konzentrieren? Herz und Kreislauf versorgen nicht nur unsere Muskeln mit Sauerstoff, sondern auch das Gehirn. Ist die Sauerstoffzufuhr vermindert, so ermüden wir schneller und können uns nicht mehr so lange konzentrieren. Die Pausen werden häufiger und abends sind wir richtig erschöpft. Können Sie nicht mehr abschalten und entspannen? Der Stress im Alltag, gleichgültig ob im Beruf oder zu Hause, führt zur Ausschüttung sogenannter Stresshormone. Das war in frühen Entwicklungsstufen der Menschheit einmal sinnvoll, weil Stress immer Bedrohung bedeutete, auf die die Menschen häufig mit körperlichen Aktivitäten wie Flucht oder Angriff reagieren mussten. Dabei halfen die Stresshormone, indem mehr und schneller Energie zur Verfügung stehen konnte. Der Stress ist geblieben, nur unsere Reaktionen haben sich geändert. Und die Stresshormone werden nicht mehr genügend abgebaut. Auch hierbei können Bewegung und Sport sehr helfen. Haben Sie wiederholt Schmerzen in Gelenken und Wirbelsäule? Ihre Knochen und Gelenke werden genauso wie die Wirbelsäule durch Muskeln, Sehnen und Bänder zusammengehalten. Wenn die erschlaffen, weil sie nicht beansprucht werden, fehlt den Gelenken der Halt. Dauernde Fehlbelastungen oder einseitige Beanspruchungen führen häufig zu Verkrampfungen der Muskulatur. Der Schultern-/Nackenbereich und die Wirbelsäule sind davon besonders häufig betroffen. Das ist am Anfang nur lästig, auf Dauer kann es jedoch zu ernsthafteren Schädigungen führen. Durch regelmäßige Bewegung kräftigen Sie Ihre Muskeln und geben Ihren Gelenken/Wirbelsäule wieder mehr Halt und Schutz. Machen Sie sich Sorgen um Ihr Gewicht? Zugegeben – eine Rauchentwöhnung ist häufig mit einer Gewichtszunahme verbunden. Umstellungen im Stoffwechsel und „Ersatzbefriedigungen“ in Form von Süßigkeiten sind dafür verantwortlich. Bewegung kann hier zwar keine Wunder bewirken, aber zusammen mit einer gesunden Ernährung doch helfen, die Gewichtszunahme zu begrenzen. Und das wirkt sich positiv auf Ihr gesamtes Wohlbefinden aus. Als einfache Faustregel für den Energieumsatz beim Sporttreiben gilt: Pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde setzen Sie ca. 10 Kilokalorien um. Bei 70 kg und 1 Stunde zügiges Walking also ca. 700 Kilokalorien. Und noch was: Wollen Sie gezielt Ihre Fettdepots als Energiequelle anzapfen, so geht das nur bei geringer (!) Intensität. Viel wichtiger ist dann die Dauer, die nicht unter einer halben Stunde liegen sollte. Sie sehen also, es gibt viele gute Gründe, sich regelmäßig zu bewegen und dabei Fitness und Wohlbefinden zu steigern. Möglicherweise kannten Sie alle diese Argumente schon und es hat dennoch nicht geklappt. Deshalb geben wir Ihnen in der nächsten Folge einige Tipps, die den Einstieg erleichtern werden. |
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