Mythen um das Rauchen: „Zwölf an der Zahl“

Nicht nur Kinder glauben an Märchen – auch erwachsene Raucher neigen manchmal dazu, sich „ihre“ persönliche Sichtweise zum Rauchen zurechtzulegen und dabei Tatsachen und Wahrheiten zu verleugnen oder zu verdrängen. Zwei Autoren vom New Yorker Gesundheitsministerium belegen mit Fakten, welche Aussagen nicht haltbar sind.

Testen Sie selbst und finden Sie heraus, wie gut Sie informiert sind und welchen Märchen und Mythen Sie keinen Glauben schenken müssen!

Mythos #1 : „Ob ich rauche oder nicht ist doch meine eigene freie Entscheidung.“

Leider verbirgt sich hinter dieser Vorstellung ein großer Irrtum. Die Raucher vergessen, dass die Zigarettenwerbung ihren freien Willen schon lange ausgeschaltet hat und sie von Zigaretten abhängig sind. Die Tabakindustrie investierte im Jahr 2002 12,5 Mrd. US-Dollar in die Werbung, doppelt so viel wie 1997 und 18-mal so viel wie für die Tabakkontrolle aufgewendet wird. Die meisten Raucher wollen aufhören, doch ein hoher Nicotingehalt und chemische Zutaten sichern die weitere Abhängigkeit.

Mythos #2 : „Ich weiß doch wie schlecht das Rauchen ist“, glauben die meisten zu erkennen.

Irrtum, gerade Frauen beispielsweise sind nicht über die geschlechtsspezifischen Risiken wie Gebärmutterhalskrebs, verfrühte Menopause, Osteoporose, Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit und Herzkrankheiten informiert. Rauchen als maßgeblichen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen kennen weniger (!) als 50 % der Erwachsenen (laut einer kanadischen Studie).

Mythos #3 : „Wenn ich nur ein paar Zigaretten am Tag rauche, ist das nicht schlimm.“

Alles nur Ausreden! Denn fest steht, dass bereits drei bis fünf Zigaretten pro Tag das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten erhöhen! Schwangere, die fünf Zigaretten am Tag rauchen, haben öfter Babys mit Untergewicht.

Mythos #4 : „Ich rauche nur Lightzigaretten, die sind weniger schädlich.“
 
Leider steckt dahinter ein grober Denkfehler. Immerhin 60 Prozent der Raucher glauben, dass Light- oder Ultralightzigaretten weniger Teer oder Nicotin enthalten. Für diese Bezeichnungen gibt es aber keine definierten Grenzwerte. Die Industrie gibt sogar zu, dass sich diese Bezeichnungen eher auf den Geschmack beziehen. Inzwischen sind in 160 Ländern, auch in Deutschland, jegliche Angaben wie Light oder Ultralight, die den Anschein einer „gesünderen“ Zigarette erwecken, verboten.
(Anm.: Raucher von Lightzigaretten nehmen ähnlich viel Nicotin und Schadstoffe auf, wie Raucher von normalen Zigaretten).

Mythos #5 : „Wenn ich wirklich mit dem Rauchen aufhören möchte, dann schaffe ich das auch.“

Leichter gesagt als getan. Selbst denjenigen, die es am besten wissen müssten, fällt es enorm schwer: Von Ärzten, die aufgrund des Rauchens einen Herzinfarkt erlitten, schaffte es nur die  Hälfte, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Industrie gibt hinter vorgehaltener Hand zu, dass Nicotin ein ähnliches Abhängigkeitspotenzial habe wie Heroin und Kokain. Deshalb brauchen die meisten Raucher etliche Versuche, bis sie es schaffen, sich von der Sucht zu befreien. Doch nur sieben Prozent halten es – ohne Unterstützung - durch, länger als ein Jahr nicht zu rauchen.

Mythos #6 : „Pharmakologische Hilfen wie Nicotinersatzmittel helfen sowieso nicht, was zählt ist der eigene Wille.“

Diese Voreingenommenheit widerlegen Untersuchungen, die zeigen, dass sich die Erfolgschancen verdoppeln, wenn man Nicotinpflaster, -kaugummis, -tabletten und -nasensprays verwendet. Bei Rückfallpatienten sind Kombinationstherapien mit begleitender Beratung besonders effektiv.

Mythos #7 : „Einmal Raucher,  immer Raucher.“

Diese hoffnungslose Aussage widerspricht der Realität, denn beispielsweise haben in den USA mehr als die Hälfte aller Amerikaner, die geraucht haben, damit aufgehört.

Mythos #8 : „Als Raucher sterbe ich zwar früher, aber dabei verliere ich sowieso nur ein paar schlechte Jahre am Ende meines Lebens.“

Die Wahrheit sieht anders aus, denn der Durchschnittsraucher verliert vierzehn Jahre seines Lebens. Nichtrauchen verlängert nicht nur die Lebenszeit insgesamt, sondern auch die krankheitsfreie Zeit am Ende des Lebens. Und: Es lohnt sich auch im hohen Alter mit dem Rauchen aufzuhören.

Mythos #9 : „Mein Mann raucht. Das Passivrauchen stört mich schon manchmal, aber es ist nicht tödlich.“

Das ist eine Fehleinschätzung, denn nach 30 Minuten Passivrauchen verhält sich der Kreislauf eines Nichtrauchers wie der eines Rauchers. Das Risiko für Herzkrankheiten steigt, das Asthmarisiko wächst um 40-60 Prozent bei Erwachsenen, bei Kindern sogar um bis zu 50-100 Prozent und das Risiko für den plötzlichen Kindstod steigt um das Doppelte.

Mythos #10 : „Rauchen ist gut für die Wirtschaft.“

Auch wenn die Industrie auf Arbeitsplätze und Steuereinnahmen verweist, überwiegen doch die langfristigen gesellschaftlichen Kosten alle ökonomischen Vorteile. Rauchen verursacht in den USA jährlich einen Schaden von 167 Mrd. Dollar, das sind 3.650 Dollar pro Raucher, inklusive Gesundheitsausgaben und Produktivitätsverlusten. Die Kosten, die der Einzelne und die Gesellschaft gemeinsam tragen, sind mehr als doppelt so viel wie die 81 Mrd. Dollar, die in den USA jährlich für Tabak ausgegeben werden.
Anm.: Auch in Deutschland übersteigt der volkswirtschaftliche Schaden durch das Rauchen (17,5 Mrd. Euro) bei weitem die Tabaksteuereinnahmen von 13,8 Mrd. Euro (Zahlen für 2004).

Mythos #11 : „Was soll die Panik, das Raucherproblem ist bereits gelöst.“

Irrtum! Weltweit rauchen 1,3 Mrd. Menschen, mehr als je zuvor. In diesem Jahrhundert werden mehr als eine Milliarde Raucher an ihrem Rauchen vorzeitig sterben, wenn keine Maßnahmen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene ergriffen werden. Wirkungsvolle Maßnahmen dabei sind beispielsweise höhere Tabaksteuern, mehr Nichtraucherzonen, die Unterstützung von Rauchentwöhnungsprogrammen und die öffentliche Aufklärung.

Mythos #12 : „Meine Kinder sind vor der Tabakindustrie sicher.“

Dies ist der gefährlichste Irrtum! Angeblich bewirbt die Tabakindustrie weder Kinder noch verhindert sie öffentliche Gesundheitsprogramme. Die Werbekampagnen richten sich immer noch an Kinder, 80 Prozent aller Jugendlichen werden pro Jahr 17-mal mit Tabakwerbung konfrontiert. Jugendliche zwischen zwölf und siebzehn Jahren sehen doppelt so viel Werbung wie Erwachsene und sind dreimal so leicht zu beeinflussen.

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